Die Wichtigkeit die Kontrolle über die eigenen Daten bzw. den eigenen digitalen Raum zu behalten oder wieder zu erlangen, hat sich in den letzten Jahren und Monaten immer weiter erhöht. Sowohl öffentliche Stellen wie auch private Unternehmen setzen Schritte um ihre eigenen Abhängigkeiten von meist US-amerikanischen Anbietern zu analysieren und zu bewerten. Die Bewegung zur Reduzierung dieser Risiken und Abhängigkeiten hat längst begonnen. Dies auch deshalb, weil in den allermeisten Bereichen europäische Anbieter mit innovativen, risikoärmeren Produkten zur Verfügung stehen. Das Investment in den Wechsel zahlt sich schon länger aus, jetzt ist es auch in den Prioritätenlisten nach oben gerutscht.
Der Einfluss von LLMs
Ein Bereich, der davon aktuell scheinbar unberührt existiert, sind die Large-Language-Models (LLMs) der KI-Welt. Die meisten großen Anbieter sind ebenso wie ihre Rechenzentren in den USA oder China beheimatet. Gerade diesen großen Sprachmodellen vertrauen wir aber immer mehr unserer Daten und Informationen an. Dies passiert sowohl im strukturierten Einsatz im Unternehmen, wo einzelne Aufgaben automatisiert werden sollen, wie auch im unstrukturierten Einsatz, wenn Mitarbeiter:innen „einfach nur schnell die KI fragen“. Durch den Cloud-Act und andere außer-europäische Gesetzgebungen sind damit alle Informationen wieder unserer Kontrolle entzogen. Dabei geht es nicht nur um potentielle Verletzungen der DSGVO durch die Weitergabe persönlicher Daten oder die versehentliche Verletzung von Geschäftsgeheimnissen. Jede harmlose Frage erzeugt Meta-Daten, jede Anfrage wird Teil eines Musters. Nichts davon vermögen wir selbst auszulesen oder zu kontrollieren, geschweige denn zu löschen.
Damit verlieren wir wieder einen Teil unserer mühsam erkämpften digitalen Souveränität. Was bringt es uns eine Datei lokal in unserer eigenen Cloud abzuspeichern, wenn wir dann ihre Inhalte ohnehin wieder einem KI-Anbieter verraten, der sie nach seinem Gutdünken verwerten kann? Wenn die Antworten der KI im schlimmsten Fall sogar dazu gedacht sind, Desinformation zu verbreiten oder demokratische Strukturen zu unterwandern?
Der doch nicht so düstere Ausblick
Es ist aber auch in dieser Entwicklung nicht alles so düster, wie es erscheinen mag. Es gibt durchaus europäische KI-Anbieter, wie z.B. Mistral, die mit den weithin bekannten außereuropäischen Pendants mithalten können. Aufgrund des MCP-Standard (Model-Context-Protocol) können die allermeisten Programme, die KI extern anbinden, alle möglichen Modelle anbinden und flexibel auswechseln.
Für spezifische Aufgaben braucht es meist auch keine LLM-Modelle, die eine Anbindung an ein gesamtes Rechenzentrum brauchen. Spezialisierte Modelle, die für ihre konkrete(n) Aufgabe(n) trainiert sind können auch lokal mit begrenzten Hardware-Ressourcen eingesetzt werden. In Zeiten anhaltend hoher Hardware-Kosten ist dies ein wichtiger Faktor. Es spart in Folge auch wichtige Energie im Betrieb der KI. Gerade letzterer Faktor ist aktuell in Debatten noch unterbelichtet, wird aber zukünftig bestimmt an Bedeutung gewinnen.
Und nicht zuletzt gilt gerade der lokale Einsatz mit begrenzten Hardware-Ressourcen auch für die sich eben rasend entwickelnden KI-Agenten. So lange sie nicht als „Mädchen für alles“ verschwendet werden, ist und wird ihr fokussierter Einsatz auch mit lokalen Ressourcen die Chancen auf digitale Souveränität im KI-Zeitalter erhöhen.